«Rede, damit ich dich sehe»

Sokrates, um 469 v. Chr
Griechischer Philosoph

Das Spiel von
Sender und Empfänger

Beim Kommunizieren ist nicht nur der Inhalt der Nachricht von Bedeutung, sondern auch die Art und Weise, wie etwas gesagt wird. Die nonverbalen Aspekte sind geradezu noch wichtiger als die verbalen. Gemäss dem Modell des Kommunikationsspezialisten Friedemann Schulz von Thun ist jede Nachricht ein Informationspaket mit vier Aspekten.

Die Sachebene: Hier findet der reine Informationsaustausch statt, der Inhalt einer Nachricht, die eigentliche Mitteilung. Es ist die Ebene für einen sachorientierten Zahlen- und Fakten-Austausch.

Die Beziehungsebene: Sie widerspiegelt die Beziehung der Dialogpartner. Wie erlebe ich die Beziehung zu meinem Gegenüber? Je nach Beziehung gestaltet sich die Kommunikation unterschiedlich.

Die Selbstoffenbarungsebene: Mit jeder Nachricht sagt der Sender immer auch etwas über sich selbst aus. Der eigene Rucksack ‒ das Weltbild und die Geisteshaltung ‒ drückt im Prozess der Kommunikation immer durch. Wenn wir reden, wenn wir kommunizieren, reden wir in erster Linie von uns selber.

Die Appellebene: Der Appell offenbart – vom Sender aus gesehen - die eigentliche Absicht der Kommunikation. Sie sagt dem Kommunikationspartner, was ich eigentlich von ihm will, was getan werden muss. Jede Botschaft ist ein Appell für ein gewünschtes Verhalten. Denn das Gesagte ist vielfach nicht, oder nur bedingt, das Gemeinte.

Das Spiel aus der Sicht des Empfängers

Auf Empfängerseite entsprechen die vier Kommunikationsebenen den vier Ohren: dem Sachohr, dem Beziehungsohr, dem Selbstoffenbarungsohr und dem Appellohr. Je nachdem auf welchem Ohr man besonders gut hört, gestaltet sich die Empfangsleistung. So wird jede Botschaft vom Empfänger auf die ihm eigene Weise analysiert und interpretiert.

Das Sachohr beantwortet die Frage, wie denn der Sachverhalt zu verstehen ist? Zu Schwierigkeiten kann es kommen, wenn das eigentliche Anliegen nicht auf der Sachebene kommuniziert wird.

Ein überaktives Beziehungsohr hört aus jeder Äusserung eine Stellungnahme zur eigenen Person heraus und bezieht alles auf sich.

Empfänger mit einem übersensiblen Appellohr hören in jeder Nachricht eine Erwartung der Mitmenschen an sie, ein Appell, den sie zu erfüllen haben.

Ein gut gewachsenes Selbstoffenbarungsohr erkennt, was das Gesagte über den Sender aussagt und weiss es entsprechend einzuordnen.