«Eine Welt voller Zitate ist
eine Welt voller Geschichte,
eine Welt voller Geschichten.»

9.12.2019

Das geistreiche Feuerwerk

Zitate zum Jahresausklang

Gähnender Affe

Ja, zum Ende des Jahres haben sie Hochkonjunktur ― all die Sinnsprüche, Lebensweisheiten und Zitate. Zum Jahresausklang scheinen wir anders zu denken. In unseren Wünschen, beim Rückblick aufs vergangene Jahr und dem Ausblick aufs neue, weitet sich unsere Denkweise ― wir denken tiefer, grösser, grundlegender.

Diese tiefgründige Denkweise schenkt auch unseren Reden immer wieder eine neue, eine wertvolle Dimension. Dann nämlich, wenn wir unseren Blick vom Besonderen eines konkreten Redeanlasses weiten und einen Bogen spannen zum Allgemein-Interessanten. Wenn wir auf die Ebene der Werte vordringen. Der Jahresausklang, der Jahresübergang ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine wertvolle Zeit.

Und vor allem in Zitaten finden Werte einen adäquaten Ausdruck. Zitate sind komprimierte, auf den Punkt gebrachte Gedankenwelten, eine geballte Ladung Geistigkeit. Und sie stehen uns jederzeit bereit, sie geben unseren Texten und Reden Tiefe und Grösse, sie zeugen von Stil.

Zum Gluschtigmachen für den Gebrauch von Zitaten hier eine kleine Auswahl aus dem Zitatenschatz.

  • «Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue Dich aufs neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht»
    Albert Einstein, 1879–1955
  • «Wohin Du auch gehst, gehe mit ganzem Herzen»
    Konfuzius, 551-479 v. Chr.
  • «Erfolg bedeutet, von Misserfolg zu Misserfolg zu gehen, ohne seine Begeisterung zu verlieren»
    Winston Churchill, 1874–1965
  • «Das wahre Geheimnis der Welt ist das Sichtbare, nicht das Unsichtbare»
    Oscar Wilde, 1854-1900
  • «Im Loslassen liegt Erlösung»
    Spontispruch auf einer Toilette
  • «Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Frühling gibt»
    Albert Camus, 1913-1960
  • «Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht»
    Vaclav Havel, 1936-2011
  • «Binde deinen Karren an einen Stern»
    Leonardo da Vinci, 1452-1519
  • «Erfolg ist, regelmässig sein Potential auszuschöpfen, um andauernd seine Grenzen zu erweitern»
    Ralph Krüger, 1959
  • «Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Aussergewöhnliche ihren Wert»
    Oscar Wilde, 1854-1900
  • «Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen»
    Hannibal, beim Überqueren der Alpen mit Elefanten
  • «Glück ist nicht gegeben, sondern aufgegeben»
    Seneca
  • «Staunen ist eine Kunst. Es gehört etwas dazu, Grosses als gross zu begreifen»
    Theodor Fontane, 1819-1898
  • «Nicht ärgern, nur wundern»
    Deutsches Sprichwort
  • «Wer nicht weiss, wohin er will, muss sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt»
    Mark Twain, 1835-19010
  • «Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne»
    Hermann Hesse, 1877-1962, aus dem Gedicht «Spuren», in dem noch weitere bemerkenswerte Sätze zum Zitieren stehen. Darum hier das vollständige Gedicht.
  • Stufen (PDF)
    Hermann Hesse

Wenn Sie den Menschen
ein positives Gefühl geben, ist das wohl
der schönste Jahresabschluss

Andrea Joost
Trainerin

27.11.2019

DER CLEVERE SAMICHLAUS

Tipps für inspirierende Weihnachtsreden

Gähnender Affe

Alle Jahre wieder – kommt der Samichlaus und kommen die betrieblichen Weihnachtsfeiern. Dabei muss es nicht tierisch ernst zugehen, es ist kein Businessmeeting, es soll gelacht, gefeiert, geschmunzelt werden. Keine öde Pflichtveranstaltung, dafür ein geselliges Beisammensein. Überraschungen inklusive.

Der Chef muss ja nicht unbedingt im Samichlaus-Kostüm auftreten ― aber wieso eigentlich nicht!? Das braucht wohl etwas Mut, Souveränität und eine Prise schauspielerisches Geschick, kommt aber gut an und hat grossen Unterhaltungswert. Etwas einfacher geht es aber mit einer Tafel Schokolade, mit einer Trauben-Nuss-Schokolade, als Metapher und roter Faden der Rede. Und so geht’s: Stück für Stück bricht der Festredner eine Schokoladenecke nach der anderen ab und spricht von den harten Nüssen, die es in diesem Jahr zu knacken gab, den Herausforderungen, und den Rosinen, den Erfolgen, die wir gemeinsam feiern konnten. Zwei Beispiele für die harten Nüsse und drei für die Rosinen – und schon ist die Rede parat.

Stichwort «gemeinsam»: Eine gute Weihnachtsrede bestärkt das Wir-Gefühl der Mitarbeitenden, unterstreicht den Teamgedanken und macht sie stolz darauf, im Unternehmen mitzuarbeiten, spornt sie an und fördert die Verbundenheit zum Unternehmen. Der clevere Samichlaus nutzt im lockeren Rahmen das Potential zur Identifikation ― zielgerichtet, sympathisch und unterhaltsam.

Stichwort «sympathisch»: Die Mitarbeitenden sollen ihren Chef als Menschen erleben. So geht es beim Nüsse-/Rosinen-Jahresrückblick nicht darum, Fakten und Zahlen aufzulisten oder um Vollständigkeit der Ereignisse, sondern der Chef zeigt durch seine bewusste Auswahl der Highlights, was ihm besonders am Herzen liegt und warum. Aussagen in Ich-Form unterstreichen die persönliche Note. Der clevere Samichlaus macht sich als Mensch erkennbar und als Führungspersönlichkeit greifbar. Es darf, es muss, es soll «menscheln».

Schon bei der Anrede punkten! Wie spreche ich die Anwesenden nur an? «Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter» – das wirkt nicht sehr persönlich und unterstreicht die Hierarchie. «Liebe Kolleginnen und Kollegen» – das setzt auf Understatement und wertet die Mitarbeitenden auf. Allenfalls besser: «Liebe XY-Familie!», also zum Beispiel «Liebe Swisscom-Familie!» – das vitalisiert das Wir-Gefühl. Achtung Killerphrase: «Ich freue mich sehr, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind» – das wirkt abgedroschen und langweilig, ja hatte der Redner Angst, dass überhaupt jemand kommt!?

Weitere Dont’s: Rundumschläge und Sammelkritik haben keinen Platz bei Weihnachtsfeiern, Weihnachtsreden sollen positiv stimmen. Ebenso müssen Statistiken, Zahlen- und Datenwulst auf ihren Einsatz bei anderer Gelegenheit warten. Der clevere Samichlaus erfreut und berührt seine Zuhörer. Ja braucht es überhaupt eine Powerpoint-Präsentation, ein Rednerpult? Der clevere Samichlaus spricht frei. Was aber so spontan und frisch von der Leber weg wirkt, ist gut vorbereitet. Und in der Kürze liegt die Würze. Mitarbeitende wollen einen schönen Abend verbringen, wollen geniessen, gut essen und trinken, keine langen Reden.

Danke: Wer seine Mitarbeitenden motivieren will, stellt den Dank in den Mittelpunkt seiner Rede. Das Team ist der wertvollste Erfolgsfaktor. Diese Tatsache macht der clevere Samichlaus mit seinen Worten für seine Mitarbeitenden spürbar.

Schöne Aussichten: Der gewinnende Weihnachtsredner hat in seiner «Schokoladenrede» rückblickend die Highlights des vergangenen Jahrs gewürdigt – so darf der Ausblick in die Zukunft nicht fehlen. Der clevere Samichlaus ist auch ein begeisterter und begeisternder Perspektiven-Eröffner, ein Wegweiser. Aber ohne Einpeitschparolen oder mit einem penetranten Einschwören auf höhere Ziele. Einfach: «Ich freue mich jetzt schon zusammen mit euch auf…»

Zum guten Schluss: Ein Highlight unter den Killerphrasen ist die Floskel: «Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit», mit der sich der Redner wohl dafür bedankt, dass die Zuhörer nicht eingeschlafen sind oder den Saal nicht fluchtartig verlassen haben. Besser zum Schluss: Seine Kernbotschaft nochmals wiederholen, oder an die Schokoladen-Metapher anknüpfen und dabei ein Schokoladen-Give-away verteilen, damit die Rede bei den Mitarbeitenden noch lange in bester Erinnerung bleibt. Und dann schlicht: «Ich wünsche Ihnen/euch/uns allen schöne Feiertage, gute Erholung und jetzt vorab einen schönen gemeinsamen Abend. Geniessen wir ihn, zum Wohl!»

Die Idee zur Schokoladen-Metapher entdeckt auf: www.andreajoost.de

«Wenn einer spricht,
müssen die andern zuhören –
das ist Deine Gelegenheit!
Missbrauche sie!»

Kurt Tucholsky

13.11.2019

DAS GROSSE GÄHNEN

Ratschläge für einen schlechten Redner

In Anlehnung an den gleichnamigen Text von Kurt Tucholsky

Gähnender Affe

Nimm ja keinen Kontakt zu deinem Publikum auf. Es könnte ja das Lampenfieber in deinen Augen sehen. Darum Achtung, ja keinen Blickkontakt, Augen runter! Eine Rede ist, wie könnte es anders sein, ein Monolog, weil ja nur einer spricht. Und wenn einer spricht, dann müssen die andern zuhören – das ist Deine Gelegenheit! Missbrauche sie! Kümmere dich also ja nicht um dein Publikum!

Schau nur konsequent und unbeirrt in dein Manuskript und lies deine Rede ab, Wort für Wort. Das gibt dir Sicherheit und ein gutes Gefühl. Zwischendurch schau nur kurz hoch, ob auch noch alle da sind! Aber sprich ja nicht frei, das macht so einen spontanen und unruhigen Eindruck.

Ja, hüte dich ganz allgemein vor Gefühlen! Immer schön sachlich bleiben, Tatsachen, Statistiken, Zahlen und Fakten. So kannst du nichts falsch machen. Halte dich also unbedingt an die Fakten, sonst zeigst du dich am Ende gar noch als Mensch und stehst nackter vor den Leuten als Adam und Eva im Paradies. Lass dir auch in deiner Stimme nichts von Gefühlen anmerken, bleib mit deiner Stimme immer schön auf derselben Tonlage, ja nicht variieren. Die Inhalte deiner Rede sind ja schliesslich auch alle gleich wichtig.

Und wenn du zu sprechen anfängst, fang ja nie mit dem Anfang an, sondern immer drei Meilen vor dem Anfang! Etwa so: «Meine Damen und meine Herren! Bevor ich zum Thema des heutigen Abends komme, lassen Sie mich Ihnen kurz... » Ja dann hast du schon so ziemlich alles, was einen schönen Anfang ausmacht geleistet: eine steife Anrede; der Anfang vor dem Anfang; die Ankündigung, dass und was du zu sprechen beabsichtigst, und das Wörtchen kurz. So gewinnst du im Nu die Herzen und die Ohren der Zuhörer.

Packe all dein Wissen in deine Rede und mache dabei lange und komplizierte Sätze. Das macht Eindruck und unterstreicht deine Kompetenz. Sprich so wie du schreibst, also mit langen, langen Sätzen – solchen, bei denen du, der du dich ja zu Hause, wo du die Ruhe, die du so sehr benötigst, deiner Kinder ungeachtet, hast, genau weisst, wie das Ende ist, die Nebensätze schön ineinander verschachtelnd, so dass der Hörer, ungeduldig auf seinem Sitz hin und her träumend, sich in einem Kolleg wähnend, in dem er früher so gern geschlummert hat, auf das Ende solcher Periode wartet ... nun, ich habe dir eben ein Beispiel gegeben. Ja, genauso musst du sprechen, langatmig, umständlich, kompliziert!

Und pack am besten all die raffiniertesten und aussergewöhnlichsten Wörter, die du kennst, in deine Rede, Fremdwörter, Fachbegriffe. So kannst du glänzen, das kommt an. Keine Angst, dein Publikum versteht das schon: Im digitalen Zeitalter, davon kannst du ausgehen, sind die Menschen smart, clever und wach. Also, keine Bange, fülle deine Sätze ab mit all dem Wissen, das du hast, und trumpfe gross auf mit grossen, starken Worten.

Und sprich so lange du willst, ohne Punkt und Komma. Ohne Pause. Und solltest du zufällig einen trockenen Hals bekommen, räuspere dich kurz, aber ohne Aufzuschauen, und dann: Weiter im Text, zieh dein Ding durch!

Kündige den Schluss deiner Rede lange vorher an, damit die Hörer vor Freude nicht einen Schlaganfall bekommen. Kündige den Schluss an, und dann beginne deine Rede von vorn und rede noch eine halbe Stunde. Dies kann man getrost mehrere Male wiederholen. Du weisst ja so viel und hast so vieles mitzuteilen. Nur zu, die Zuhörer hören dir gerne zu. Dafür:

Danke am Schluss deiner Rede unbedingt für die Aufmerksamkeit! Das macht man so, das ist ein bewährter Schlusssatz. Die meisten Zuhörer sind ja schliesslich noch da und sind nicht – gähn! – eingeschlafen. Nur wenige haben ja den Saal heimlich verlassen.

Gott sei Dank.